Dragonboat - Mystik und Historie

Einige Jahrhunderte bevor die christliche Zeitrechnung einsetzte, herrschte in ganz China Krieg. Zu diesen Zeiten lebte in der Provinz Tschu ein Staatsmann namens Qu Yuan. Qu Yuan war weise und wurde vom Volk verehrt. Aufgrund seiner aussenpolitischen Linie überwarf er sich zunächst mit dem Grosskämmerer, dann mit dem Sohn seines Königs, so dass er schliesslich seiner ministerialen Ämter enthoben und in die barbarischen südlichen Länder verbannt wurde.
Auf seinem Weg nach Süden verfasste Qu Yuan eines der einflussreichsten Werke der chinesischen Literatur, das Li Sao. Die ausserordentlich positive Rezeption seines Werks konnte Qu Yuan allerdings nicht mehr erleben; kaum im Exil angekommen, verzweifelt ob der ihm widerfahrenen Ungerechtigkeiten und der anarchischen Zustände in seiner alten Heimat, stürzte er sich in den Fluss Mi Luo. Die Fischer und Bauern am Fluss Mi Luo machten sich in Booten auf die Suche nach seiner Leiche. Sie trommelten und warfen in Bambusblättern eingerolltes Reis in den Fluss, um die gefrässigen Fische von der Leiche abzuhalten. Zum Jahrestag dieser traurigen Begebenheit werden in China seither Bootsrennen veranstaltet. Anfänglich, weil die Zeiten rauh waren und der Gnostizismus noch Konjunktur hatte, wurden die Verlierer mit Steinen beworfen und ein Mannschaftsmitglied geopfert, um die Götter zu besänftigen. Heute aber, da der Sport weniger archaischer Ritus als vielmehr Erholung und Zeitvertreib ist, können wir jedermann einladen, den Fuss in ein Drachenboot zu setzen. Er wird nicht um Leib oder Leben fürchten müssen.